Eine Aufzeichnung über meine Dienstzeit bei der Berliner Polizei
1959 trat ich in die Berliner Bereitschaftspolizei-Abteilung III in Berlin Schulzendorf, ein. Nach der Grundausbildung erfolgte die Versetzung zum Notstandszug (Pioniere) der 15. Stabs-Bereitschaft.
1960 Die Führerscheine Klassen 1 + 2 sowie Pionierlehrgänge, der Unterführerlehrgang und ein Fährenführerlehrgang in Lübeck schufen neben dem Lehrschein der DLRG eine Basis für die Bewerbung bei der Berliner Wasserschutzpolizei. Doch dazu kam es zunächst nicht. Der Bau der Berliner Mauer brachte neben einer Aufstockung des Notstandszuges zu einer Kompanie mit 4 Zügen mit dem neuen Namen "Bautechnische Bereitschaft" und den Grenzsicherungsarbeiten (Bau von Unterständen und deren Panzerung, Laufgräben, Beobachtungsstände usw.) nun keine Chance, zur WSP zu wechseln.
1963 habe ich den 15. Unterführerlehrgang der Bereitschaftspolizei bestanden. In meiner Freizeit habe ich als Rettungsschwimmer und als technischer Leiter, später als stellv. Technischer Leiter (Schulungsleiter) für den Landesverband Berlin der DLRG gearbeitet (bis 1975).
1966 bewarb ich mich um eine Versetzung in den Reviereinzeldienst, als Voraussetzung für die Übernahme zur WSP. Das Revier 31, der Polizeiinspektion Tiergarten; in der Keithstr. in Berlin Tiergarten hatte unter anderem neben dem Autostrich auf der "Straße des 17. Juni" und zwei "Billigstrichen" an der Schleuse Tiergarten, sowie im Diplomaten Viertel in Tiergarten auch einen Großteil der Tiergartens und des Berliner Zoos zu betreuen. Die Budapester Str. mit den Hotels "Hilton" und dem "Schweizer Hof" waren interessante polizeiliche Objekte und würden mit meinen Erlebnissen so einige Seiten füllen. Auch die Aufsicht bei Catchveranstaltungen am Lützowplatz sowie die dazugehörige Verkehrsregelung gehörten in unseren Aufgabenbereich. Homosexuelle, Spanner, Penner und Verrückte. Der Dienst war abwechslungsreich.
08. Mai 1967, nach zwei vergeblichen Bewerbungen, hatte die WSP- Führung ein Einsehen und bestellte mich zum Dienstantritt beim WSP-Revier Spandau. (Gerade rechtzeitig genug, denn nur wenige Tage später begannen die "heiße Phase" der Studentenunruhen, die zum Tot eines Menschen führten).
Nun hatte ich als Rettungsschwimmer sowie als Fährenführer einschlägigen Erfahrung im Umgang mit Wasserfahrzeugen, so dass mir die Umgewöhnung nicht schwer gefallen ist. Ungewöhnlicher war der Umgang mit den "Schottelbooten " Hier lernte ich bei dem Kollegen Ortwig Michaelis (und anderen) das nötige Rüstzeug für den Beruf eines WSP- Beamten. Das WSP- Revier hatte damals noch ein Boot von 1951 (WSP 28) auf dem Glinicker See stationiert, da es hier auch ein Boot der Grenztruppen gab. Die Grenze auf dem Wasser dürfte ca. 3 km lang gewesen sein und wurde täglich mehrmals im Bootsstreifendienst überwacht.
Im Winterhalbjahr 1967/1968 versah ich meinen Dienst zur Verstärkung bei dem WSP- Revier Schwanenwerder. Auf dieser exklusiven Insel am Wannsee hatte unter anderem auch Axel Springer eines seiner Berliner Luxushäuser gebaut, sowie eine protzige Motoryacht abgestellt. Die Wasserseite des Grundstückes sowie das Boot wurden zum damaligen Zeitpunkt rund um die Uhr von der WSP bewacht. Die Ursachen lagen darin, dass die Studenten und andere Oppositionelle wie Bader, Meinhof, Fischer, Teufel, Langhans, Schilly, Ströbele und Konsorten den Verleger Springer nicht leiden konnten, weil der sie und ihre Methoden der Zerstörung privaten Eigentums in seinen Blätter nicht gerade zimperlich anprangerte. Das Frühjahr sah mich wieder auf dem WSP- Revier Spandau. Die Dienstzeit verlief "wasserschutzfreundlich", zum Teil auch wieder auf dem Glinicker See bis ich im August
1968 nach Neckarsteinach zum dortigen "Wasserschutzposten" in Marsch gesetzt wurde. Nach einer äußerst "anstrengenden" Bahnfahrt, einer Übernachtung in einem Hotel fand ich mich am nächsten Vormittag an Bord der MS "Barbara Sybilla" wieder. Zur Erläuterung. Die Berliner WSP- Führung sah es als notwendig und nützlich an, wenn ihre Beamten einige Zeit als "Gäste" an Bord von Binnenschiffen mitfuhren, um so später die täglichen Probleme und technischen Abläufe besser beurteilen zu können. Ich fand es Super. Im Vorschiff hatte ich an der Stb. -Seite eine feuchte muffige Koje in der man nur besoffen einschlafen konnte. Das Klo stand auf einem hohen Podest (Über der Wasserlinie), so dass man sich gebeugt unter dem niedrigen Stahldeck des Schiffes auf den Lokus quetschen musste. (Sicherheitsinstallation, damit kein Wasser in das Schiff eindringen konnte). Der an Bord verbliebene Matrose und der Schiffer waren OK. Sofort nach meinem Erscheinen an Deck in Besigheim, wurde der andere Matrose in den Urlaub geschickt. Der fast 80 m lange Sandtransporter, mein Kahn; benötigte als Besatzung zwei Matrosen! War ich einer? Mit war es egal. Ich denke dass der Schiffsführer schon wusste was er machte. Nebenbei erzählte er, dass man häufig des Lohn für den zweiten Matrosen sparte und davon die Strafen für Unterbemannung zahlte. Letztendlich lohnte es sich wohl, denn wie häufig wird man schon kontrolliert? Wir machten zwei Reisen den wunderschönen Neckar zu Tal. Vorbei an Hirschhorn, Heidelberg nach Mannheim. Unterwegs beeugten viele vorbeifahrende Besatzungen andere Binnenschiffe die "Neuen" von denen alle wussten, dass es WSP- Beamte waren. Die Binnenschifffahrt ist ein Dorf, in dem sich Klatsch und Tratsch schnell herumspricht.
Vom Neckar ging es in den Rhein und diesen bergauf (wie man in der Schiffersprache sagt). Vorbei an Straßburg nach dem rechtsrheinischen Ichenheim um 1000 to Kies zu holen. Scherzhaft nannte sich der Skipper auch "Oberrheinischer Kiesbüttel". Nach vier Stunden (1000 to !) ging es dann wieder Stromab, Richtung Mannheim. Mir jedenfalls hat es Spaß gemacht.
Ich habe zugepackt, bin Ruder gegangen, habe in den Schleusen (bis 12 m Schleusenhub) meine "Drahtschlappen" Drahtseil über die entsprechenden Poller geworfen. Kurz, ich war fast einer von Ihnen. Je nach Lust und Laune, gingen wir Abends (nach Schleusenende) in einen Ort und aßen dort richtige Portionen. Die Kameradschaft mit dem Personal, auch von anderen Schiffen war einfach prima. In Mannheim bollerten abends ein Nachen (Kahn) an meine Bordwand. "Hey Icke", so hießen wohl alle Berliner, "kommste mit in'n "Jungbusch"? Im nu schnell in Schale geworfen, über die Bordwand, rein in den Nachen, rüber zum Ufer wo sich der Jungbusch befinden sollte. Wie sollte es anders sein, es war die Mannheimer Nuttengegend. Die Stimmung war gut. Aus unserer Gruppe verschwand der Eine oder Andere auf wundersame Weise, war aber bald wieder "erleichtert aussehend" bei uns. Alles war so lange ungezwungen, bis ich zwei Negern, die im offenen Cabrio so um eine Straßenecke fuhren, dass meine Zehennägel platt geworden wären, nachrief, sie sollen wieder auf die Bäume verschwinden. Ihre Reaktion versetzte mich in eine schnellere Gangart, bis ich das rettende Ufer erreicht hatte. Kurzum, irgendwie landeten wir noch in einem Polizeisport-Vereinsheim an der Schleuse Feudenheim, wo ich dann meinen Abschied mit den Schiffern feierte.
Anschließen folgten die Reise nach Hamburg an die WSP- Schule und der Beginn des Einweisungslehrganges, der drei Monate dauern sollte. Über Hamburg mit der Wasserschutzpolizeischule mitten Freihafen und über die sonstigen "Attraktionen" der Stadt, ließen sich weitere 20 Seiten füllen, was einige interessierte Leser sicherlich bedauern werden. Aber es gehört nun mal nicht zum Thema. Ein langes Wochenende habe ich auf einem seegehenden Boot der WSP-Hamburg 48 Stunden, als Gast "Dienst" gemacht.
1969 und 1970 versah ich in den Sommermonaten einen Teil meines Dienstes auf dem Glinicker See in Berlin Spandau, Ortsteil Kladow. Im Frühjahr
1970 war ich für ein viertel Jahr auf einem Bootsführerlehrgang in Hamburg. Im Herbst des gleichen Jahres wurde ich zu dem Wasserschutzpolizeirevier Westhafen-Mitte versetzt. Nach meiner Meinung war ich für die Wache Spandau ein zu schneller Bootssteurer, aber das ist eine andere Story. Der Revierbereich war erheblich größer im Sinne der Länge der Wasserstraßen. Die Kanalisierung der Wasserläufe erforderte wegen der stärkeren Einflüsse der Strömungen am fahrenden Schiff, eine wesentlich präzisere Bootssteuerung, zumal es Mode war, die Boote bei WSP 2 rückwärts in den Bootsschuppen der Wache zu bugsieren. 5 Schleusen gehörten ebenfalls mit zum Revierbereich, wovon sich vier Schleusen unter DDR-Verwaltung befanden, was gelegentlich für zusätzliche Probleme (Schleusenkrieg) sorgte.
Die längste Streife dauerte mit Hin- und Rückfahrt bis zum Zehlendorfer Stichkanal am Teltowkanal, Werft der Stern- und Kreisschifffahrtsgesellschaft, einschließlich vier Schleusungen ( 2 Schleusen: Landwehrkanal mit der Tiergartenschleuse und der Neuköllner Schifffahrtskanal mit der Neukölner Schleuse) eine ganze Dienstschicht. Wie schon dargestellt waren die 70 er Jahre von den Aktivitäten der Rote Armee Fraktion (RAF) geprägt, die dazu führten, dass zeitweilig alle Binnenschiffe in Westberlin ständig nach "verdächtigen Dingen und Personen" von uns durchsucht wurden. In diese Zeit fielen auch die Ausbildungslehrgänge zum Lehrschein der DLRG, an denen auf Grund meiner Initiative rund 30 WSP- Kollegen teilnahmen. Meine Tätigkeit beim Landesverband der DLRG (Schulungsleiter) ermöglichte in Zusammenarbeit mit der WSP- Führung diese für den WSP- Dienst optimale Zusatzausbildung.
1975 war ich wieder für fünf Wochen in Hamburg: Radarausbildungslehrgang. Da ich gute Kollegen hatte, die mich immer wieder anleiteten, konnte ich diesen Lehrgang sogar mit "gut" beenden. Im März
1981 kam es zu einem Dienstunfall am Teltowkanal, wobei ich mir eine "Kompressionsfraktur" des achten Brustwirbels zuzog.
In der folgenden Zeit ging es darum, weiter bei der WSP zu verbleiben, was sich als sehr schwierig gestaltete. Jedenfalls hatte ich das Glück im Innendienst weiter Dienst versehen zu können. Nun musste ich mich mit Akten und allerlei theoretischen Kram herumplagen, was mir überhaupt nicht lag. Aber irgendwann klappte auch das einigermaßen. Als "5. Rad am Wagen" bekam ich unter anderem auch die Praktikantenausbildung aufgedrückt. Mit den Jungens und Mädchen machte sie Sache Spaß, wenn sie denn nicht die "Nullbockschiene" gefahren sind.
In dieser Zeit wurde ich der ständige Vertreter des Sachgebietes 024 - Melde und Fahndungsdienst bei der WSP, weil diese Stelle aus "Sparsamkeitsgründen" von einer WSP- Beamtenplanstelle in eine Verwaltungsplanstelle umgewandelt wurde. Das hatte wiederum zur Folge, dass bis auf wenige Ausnahmen ausgesprochen lust- und geistlose Verwaltungsangestellte, die keinerlei Beziehungen zur Binnenschifffahrt hatten, dort hinversetzt wurden. Die Fluktuation war dementsprechend.
In meinen Freistunden habe ich viele male mit der Materie befasst und mir noch Informationen von den letzten WSP- Beamten (Ast, Rehnisch) die die Meldestelle betreuten, geholt. Bis zu meinen Ruhestand waren es ca. 8 Personen. Dabei war der Job äußerst interessant. Man hatte mit Computern und Fernschreibern zu tun. Konnte seinem Fahndungs- und Jagdinstinkt fröhnen. Als "Innendienstkranker" mit einer Schicht - Planstelle, wurde ich im Sommer 1984 aus meiner Dienststelle "ausgekämmt" und dem ZD I Ord. zugewiesen, wo ich sechs Wochen lang Asylantenanträge als Sachbearbeiter bearbeiten mußte.
In den nächsten Jahren bekamen wir ein neues Gebäude am Neuen Ufer und das Referat der WSP (vorher Kuno-Fischer-Str.) mit dem neuen Referatsleiter PD Köhn zog in die obere Etage ein. Ich bekam dort einen neuen Job, das Sachgebiet 023 Fernmeldewesen im Sachgebiet 02 Einsatz, zugewiesen. Siehe Einzelkapitel WSP 023. Weitere Ausgaben, waren die Verwaltung aller Fernmeldeanlagen in den Gebäuden, auf Booten im Pkw und am Mann (KobD). Verschlussachenbearbeiter, Vertretung des Geschäftsführer WSP 01, Waffen- und Schießtrainer. Ab 1988 erschien, das von mir heraausgegebene Informatitionsblatt für die WSP- Berlin (West) - KIELWASSER 1990 im Januar und Februar nahm ich an den ersten Treffen der WSP- Inspektion Ostberlin und mit der WSP Potsdam, teil.Im September 1990 bin ich auf eigenen Wunsch wieder in den Aussendienst versetzt worden. Nach einigen Diensten in Baumschulenweg beendete ich dann durch einen weiteren Unfall am rechten Sprunggelenk, meine aktive Dienstzeit bei der WSP. Am 31,01,1992 erfolgte meine Versetzung in den Ruhestand
Copyright by Helmut Hedram "KIELWASSER" Sonderausgabe ISSN 0940-5119 von im Selbstverlag 1990