Die Wasserschutzpolizei-Inspektion

Die Wasserschutzpolizei Ostberlin 1948 bis 1990

Geschichte

Vorwort: 

Ich habe mich bemüht, diesen Teil der Geschichte der Wasserschutzpolizei Berlin so objektiv wie möglich darzustellen. Während meiner Nachforschungen 1990 haben mir die meisten Mitarbeiter der Volkspolizei - Wasserschutzpolizei- Inspektion, die ich bemühte, hilfreich zur Seite gestanden. Meinen besonderen Dank möchte ich daher Herrn Spinka, dem damaligen Chef der Wasserschutzpolizei-Inspektion, sowie Herrn Wolf (damaliger Revierleiter Baumschulenweg), der mit mir einen Teil dieses Textes erarbeitete und  Herrn Schirmer (damaliger Sachbearbeiter: Schifffahrtsangelegenheiten) der mir zahllose Bilder von WSP- Booten überließ und Herrn Krüger (Bootsführer) übermitteln. Sie alle ermöglichten mir, die wesentlichen Eckpunkte der geschichtlichen Entwicklung der Wasserschutzpolizei im ehemaligen Ostteil Berlins aufzuzeichnen und den interessierten Lesern zur Verfügung zu stellen. Sicherlich habe ich die Bootswerft der Wasserschutzpolizei nicht ausreichend beschrieben, was im Grunde daran lag, dass ich nur einen kurzen Einblick in die Chronik (Der Autor Hauptmann Birkefeld) nehmen durfte, die vor Phrasen gegen Kapitalismus und Imperialismus nur so strotzte. Auch wurde mir untersagt die Chronik auszuwerten. Dankenswerterweise habe ich jedoch eine Kopie (einige Seiten) erhalten, die sich im Wesentlichen mit dem Bootspool befassen und die politische Betrachtungsweise 100% en nur gering spürbar ist. Diese Daten fließen überarbeitet in dieses Kapitel mit ein. Ferner haben mir die Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei-Inspektion div. Ausbildungs- und Dienstvorschriften überlassen, die je nach Thematik mit eingearbeitet werden. Helmut Hedram im Juni 2002


Die Entwicklung der Wasserschutzpolizei in Ostberlin wurde nach der Spaltung Berlins im Juli 1948 weiterhin stark von dem Führungswillen der kommunistischen Machthaber beeinflusst, der sich besonders auf die personelle Besetzung des Reviers Baumschulenweg und die Werft der Dienststelle bemerkbar machte. Dieser Umstand veranlasste wiederum einige demokratisch eingestellte WSP- Angehörige, ihre Arbeitsplätze in die Westberliner Sektoren zu verlegen.


Mit Erlass vom 12. Mai 1949 erhielt die Polizei in der ehem. DDR/Ostberlin den nunmehr offiziellen Namen: Deutsche Volkspolizei.

Anfang der 50er Jahre wurde die WSP in der DDR (07. Oktober 1949 gegründet) der Transportpolizei angegliedert. In Ostberlin gehörte die WSP zum Präsidium der Volkspolizei (VP), Abteilung Schutzpolizei, Referat WS. Mir liegen zwei Schulungshefte für die Wasserschutzpolizei aus dieser Zeit vor, deren Titelblätter wie folgt lauten:

Nur für den Dienstgebrauch

Schulungsheft Nr. 1

für Spezialfachunterricht

der Wasserschutzpolizei

(24 Stunden)

Herausgegeben von der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei

Hauptabteilung Transportpolizei

Berlin, Dezember 1949

Nur für den Dienstgebrauch

Schulungsheft Nr. 2

für Spezialfachunterricht

der Transportpolizei (WS)

(28 Stunden)

Herausgegeben von der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei

Hauptabteilung Transportpolizei

Berlin, Januar 1951

1951, anlässlich der von den Kommunisten inszenierten "Jugendweltfestspiele", verpflichtete sich das Werftkollektiv der Wasserschutzpolizei in Ostberlin, zu Ehren der Spiele ein kleines, schnelles Einsatzboot zu bauen.  Das Ergebnis war ein ca. 60 km/h schnelles Boot, das leider aus technischen Gründen nur vorwärts fahren konnte. Rückwärts musste es gepaddelt werden!

Ebenfalls 1951 stellt die WSP in Ostberlin ihren ersten Nachkriegsneubau "WS-16-32" in Dienst.

Mit einer Verordnung des Magistrats vom 17.10.1952 wird die Tätigkeit der "Freiwilligen Helfer" (FH) der Volkspolizei offiziell eingeführt. (*siehe Sonderseite)


1953 wird die Wasserschutzpolizei Inspektion Berlin mit den Revieren Baumschulenweg und Mühlendammschleuse gebildet. 

Die Ereignisse des 17. Juni des gleichen Jahres gingen ebenfalls nicht spurlos an der WSP - Ost vorüber und führten erneut zur Abwanderung einiger WSP- Kollegen nach Westberlin. 

Zur ‘‘Sicherung der Dienststelle’’ wurde an der Grundstücksecke Baumschulenstr.
ein ehem. Wehrmachts - MG 34 mit Schussrichtung Köpenicker Landstr./Neue
Krugallee in Stellung gebracht. 

Im gleichen Jahr wurde der 12 Stunden Dritteldienst ohne Stundenlimit mit drei dienstfreien Tagen im Monat eingeführt und aus einsatztechnischen (operativen) Gründen wurden drei Einsatzgruppen (Schichten oder Drittel) gebildet. Bis Anfang der 60er Jahre reichte die Verbindung der WSP- Werft zum Sportverein "SC Dynamo Berlin"* zurück.  (*Anm. d. Autors: Dieser Sportverein stand dem Ministerium für Staatssicherheit sehr nahe.)
Sie war es letztlich, die der Motor-Wasser-Rennsport-Sparte des Vereins mit technischer und personeller Hilfe (ein Rennboot ca. 80 km/h schnell wurde mit Fahrpersonal [Genosse Birkefeldt (Leiter der Werft)] von der WSP gestellt) 1954 zu DDR-internen Erfolgen mit dem Titel ‘‘Bester der DDR’’ verhalf. 

Die Bootsmaschinisten (Steurer) wurden bei der Abteilung Technik der Wasserschutzpolizei ausgebildet und ihr anschließend unterstellt. Diese Abteilung setzte sie nach eigenen Gesichtspunkten ohne Mitwirkung der jeweiligen Einsatzgruppe auf den Booten ein. Hier wurde die von der Seefahrt her bekannte unseelige Trennung von Nautikern und Maschinisten beibehalten bzw. wiederbelebt. Diese Einsatzform bewährte sich jedoch nicht und man ging bald wieder auf die bis zum 3. Oktober 1990 praktizierte Verwendung über. 


Seit 1957 wurde die Ausbildung zum Rettungsschwimmer bei der WSP Ostberlins durch WSP- Angehörige, die die Lehrbefähigung des Deutschen Roten Kreuzes besaßen, eingeführt.*(siehe auch die ähnliche Entwicklung ist Westberlin)

In das gleiche Jahr fiel auch die Gründung der Sporttauchergruppe der WSP, die ab 1970 als Diensttauchgruppe ‘‘offiziell’’ in den Dienstbetrieb der WSP übernommen wurde.

Tauchergruppe der WSP  im Einsatz

1959 wurde das vorhandene Personal der Ostberliner Wasserschutzpolizei in 6 Einsatzgruppen und 3 Außenposten umgegliedert. 

Die Außenposten wurden in Analogie zum Reichswasserschutz und der Preußischen WSP auf den Schleusen Mühlendamm (Räume im Osthafen), Neue Mühle (Königswusterhausen) und Woltersdorf (Erkner) ohne Bootspark in ähnlicher Funktion wie der ehemalige Kontaktbereichsdienst in Berlin (West) eingesetzt.
Anzumerken sind die für heutige Verhältnisse merkwürdigen Einsatzrichtlinien zur Besetzung der Posten. Es wurden für diesen Dienst nur die ‘‘neuen’’WSP-Mitarbeiter in grüner Uniform auf die Schleusen geschickt. 

Ein weiteres Novum war die Sicherung von Veranstaltungen aller Art an und auf dem Wasser. Hierzu wurden überwiegend Freiwillige in ihrer dienstfreien Zeit eingesetzt. Als Ausgleich gab es nicht etwa die geleisteten Stunden, sondern im Regelfall die Genehmigung, an der Abschlussveranstaltung mit Bockwurst und Bier teilzunehmen !


Am 13. August1961 wurde die WSP Ostberlins mit allen Kräften zur ‘‘Sicherung der Staatsgrenze’’ anlässlich des Mauerbaues eingesetzt. Die hauptsächlichen Einsatzorte waren die Spree vom Humboldthafen bis zum Reichstag, von der Schillingbrücke bis zum Flutgraben an der Oberschleuse des Landwehrkanals sowie der Britzer Zweigkanal und der Teltowkanal. Ihr Einsatz an der Grenze dauerte bis zum Spätsommer 1962.  
Ab 1. September 1962 wurden an die neugebildeten ‘‘Bootskompanien der Grenztruppen der DDR’’ Boote und WSP- Personal abgegeben. Diese fungierten als Kader für den weiteren Aufbau der Bootskompanien der Grenztruppen.


1963 wird die WSP- Werft in Berlin-Baumschulenweg dem Ministerium des Inneren als Zentrale Bootswerkstatt für den gesamten WSP- Bootsbestand der DDR unterstellt. Hier wurden auch die "zivilen" Boote des Ministerium für Staatssicherheit gewartet und bereitgestellt. Inwieweit die WSP- Inspektion das Bootspersonal stellte, ist nicht bekannt.

M.Y. "Freundschaft" (ein Boot des Ministerium des Inneren) nach der Wende Einsatzleitstelle der WSP Berlin
Die Reviere Schmöckwitz und Erkner (ehemals Außenposten) werden gebildet.

1964 wurde die 1948 verfügte Bootsregistrierpflicht aufgehoben und die sich nur noch mit dieser Aufgabe befassenden Schiffermeldestelle beim Revier Baumschulenweg aufgelöst.

1965 wird Erkner dem damaligen Bezirk Potsdam (heute Land Brandenburg) zugewiesen. 
In diese Zeit fällt auch die Einrichtung eines WSP- Lagedienstes, der bis 1969 beibehalten wird. Ein Offizier im 24 Stundendienst ist außerhalb der Bürodienstzeit, z.B. an den Wochenenden, der Vertreter des Leiters der Wasserschutzpolizei Inspektion zur Koordinierung und Steuerung von Einsätzen. 
Im gleichen Zeitraum wird die Standardisierung des Bootsparkes durch einen Erlass des Ministerium des Inneren eingeleitet. 

Der Schwerpunkt der WSP-Arbeit wird nach Baumschulenweg verlegt. Hier versehen 50 Mitarbeiter ihren Dienst (Schmöckwitz 25). Eine der wichtigsten Aufgaben wird die ‘‘Tiefensicherung der Staatsgrenze im Grenzvorfeld’’.
Hierzu werden Schiffsbegleitungen bestimmter Fahrzeuge (Westschiffahrt) und die Überwachung der an der Spree
(den Grenzgewässern zu Berlin (West) zwischen der Oberbaumbrücke und der Schillingbrücke) gelegenen Behala-Speicher (Fluß= DDR, Kaimauer=Westberlin)  in Kreuzberg mittels Bootsstreifen durchgeführt. Jeder dieser Streifen musste bei den Grenztruppen "angemeldet" werden, deren Boote dann teilweise die WSP- Boote "begleiteten".


Bis 1967 wurde der Dienst in  Baumschulenweg  in den Baracken(*), durchgeführt. Am 31.7.1967 wurde das heutige Dienstgebäude der Wasserschutzpolizei-Inspektion übergeben.    (* Es ist wahrscheinlich, das es sich um ähnliche Baracken handelte, wie sie auch auf dem Gelände der WSP- Wache Spandau (Wache 1) bis ca. 1970 standen und schon vom "Reichswasserschutz" und davor von kaiserlichen Wasserpionieren benutzt wurden.)


Gebäude der Wasserschutzpolizei-Inspektion


Oben: Plakat zum 35. jährigen WSPI- Jubiläum

1975 wurden in der damaligen DDR drei WSP- Lehrreviere eingerichtet. Die Aus- und Fortbildung für alle Volkspolizisten bei der Wasserschutzpolizei in der gesamten DDR wird nach den Erfordernissen auf Binnenwasserstraßen bei der WSP- Inspektion Berlin, Außenposten Schmöckwitz durchgeführt.
Für die ‘‘besondere Ausbildung’’ auf Transitwasserstraßen war das Revier Brandenburg im Bezirk Potsdam zuständig. Das Ausbildungsrevier für die Küste befand sich in Stralsund. 


Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei-Inspektion bei der "Fahnenweihe" der Dienststellen-Fahne  v.l.n.r.Meister U. Dubbrik, Hauptmann J. Wolf und der Inspektionsleiter Herr Poerschke


Anfang der 80er Jahre wurden die ‘‘FH’’, sofern sie die Befähigung zum Führen von Dienstbooten hatten, nach bestimmten Kriterien (z.B. bei Wassersportveranstaltungen) offiziell als Maschinisten auf den Dienstbooten eingesetzt. 

1987 wurde das Revier Schmöckwitz in einen Außenposten mit 6 Mann Personal umgewandelt. 

Die WSP in Ostberlin wirkte seit etwa 1949 bis zur Wiedervereinigung bei den Vorbereitungen und Prüfungen für Befähigungszeugnisse in der Berufs- und Sportschifffahrt beim Wasserstraßen Hauptamt Ostberlin, mit. 

Die WSP- Inspektion Baumschulenweg umfasste 1990 rund 90 Mitarbeiter (Stab und Schichtdienst). Der Streifendienst gliederte sich in vier Schichten und wurde von 07.00 bis 19.00 Uhr genau wie in Westberlin versehen.
Der Zuständigkeitsbereich erstreckte sich bis zum 3. Oktober 1990 nach Westen auf der Spree von der Marschallbrücke bis in die südöstlichen Gewässer (Spree, Dahme, Seen und Kanäle) bis zur Stadtgrenze. 

Zur Bewältigung der Aufgaben standen insgesamt 18 Boote der Klassen KB 5 und KB 12 zur Verfügung, wobei 3 Fahrzeuge auf der ‘‘Nebenwache’’ in Schmöckwitz stationiert waren.

Wer zur WSP der DDR wollte, der musste erst einmal einen fünfmonatigen Lehrgang an der Volkspolizeischule in Neustrelitz absolvieren. Die Mitgliedschaft in der SED war obligatorisch.
Nach abgeschlossener Ausbildung zum Landpolizisten erfolgte eine sechsmonatige
wasserschutzfachliche Ausbildung bei der WSP- Baumschulenweg für die Kollegen, die im Berliner Raum ihren zukünftigen Dienst versehen sollten. Offiziere hatten die Möglichkeit eines "Fernstudiums", was auch immer das zu bedeuten hatte.
Für die nördlichen Landesteile war nun die WSP Stralsund und für die übrige DDR die WSP Brandenburg zuständig. Ein erheblicher Anteil von Bewerbern kam aus der Hochseefischerei, der Hochseefahrt, von der Volksmarine und aus der Binnenschifffahrt, so dass nautisch vor- und ausgebildetes Personal zur Verfügung stand.
Die WSP- Ausbildung schloss mit der Prüfung zum "Maschinisten" ab. Dieser war für den gesamten technischen Bereich des Bootes zuständig.
Der Mann auf dem "rechten" Sitz führte, wie auch bei der WSP in Westberlin, die Bezeichnung ‘‘Bootsführer’’. Die Qualifikation erwarb man sich durch zusätzliche Lehrgänge und durch entsprechende Dienstzeit und Erfahrung. 

Am 3. Oktober 1990 erfolgte die Wiedervereinigung beider Berliner Wasserschutzpolizeien. 

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Copyright by Helmut Hedram  "KIELWASSER" Sonderausgabe ISSN 0940-5119   im Selbstverlag 1990 aktualisiert: August 2007

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aktualisiert: August 2007